Viele, ich zu meiner Schande auch, haben es wahrscheinlich schon einmal ausprobiert. Detox. Durch Fasten, mit Hilfe von Säften, Tees oder Nahrungsergänzungsmitteln, soll Schlacke aus dem Körper geleitet werden. Dies soll uns gesünder machen. Es soll sogar von chronischen Krankheiten heilen. Was ist aber an der Theorie, dass sich sogenannte Schlacke in unserem Körper ablagert? Und muss sie erst durch Außeneinwirkung ausgeleitet werden?

Was ist Detox?
Detox steht für detoxifikation, also entgiften. Anhänger*innen der Detox-Theorie glauben, dass wir zu viele giftige und schädliche Stoffe aufnehmen. Als Ursachen werden eine ungesunde Ernährung mit zu viel Zucker, Fett und Zusatzstoffen angegeben. Aber auch Nikotin, Alkohol, Umweltgifte, wie z.B. Pestizide, und Stress sorgen dafür, dass sich Schlacke in unserem Organismus ablagert und uns krank macht.
Um diese Schlacke wieder loszuwerden, gibt es diverse Mittel auf dem Markt, wie z.B. Zeolithpulver, Tees, Pillen, Shakes, Aktivkohle und Säfte. Werden diese Produkte regelmäßig eingenommen, soll die sogenannte Schlacke aus dem Körper geleitet werden. Wir sollen uns danach gestärkter und gesünder fühlen als vorher.
Das gilt aber nicht nur für Menschen mit bestimmten Krankheiten, sondern auch für ganz gesunde Menschen.
Das bedeutet, dass gesunde Menschen sich regelmäßig Detox-Kuren unterziehen sollten. So können sie Schlacke aus ihrem Körper leiten, die sich dort gesammelt hat.
Was sind Schlacke?
Der Begriff Schlacke bezeichnet Rückstände aus Metallverarbeitungsprozessen. Gemeint ist damit ein glasig-massiver bis poröser Rückstand, der beim Erhitzen von Metallen entsteht.
Was genau mit dem Begriff Schlacke gemeint ist, wenn es dabei um die menschliche Gesundheit geht, bleibt ungeklärt. Außerdem gibt es nach wissenschaftlichen Erkenntnissen gar keine Schlacke im menschlichen Körper. Deswegen möchte ich diesen Begriff auch nicht weiter verwenden, da dieser irreführend und nicht evidenzbasiert ist. Der Vater der Detox-Kuren und Erfinder des Heilfastens Dr. Otto Buchinger (1878 – 1966) konnte zur Zeit seiner „Entdeckung“ der Schlacke ebenfalls keine Angabe machen. Er erklärte nicht, was genau das eigentlich ist.
Wie werden Gifte und Schadstoffe abtransportiert?
Reden wir also lieber von den Giften und Schadstoffen, die sich angeblich angesammelt haben. Welche Gift- und Schadstoffe das sein sollen, darüber lassen die Verfechter*innen der Detox-Theorie uns auch im unklaren.
Richtig ist jedoch, dass wir tatsächlich regelmäßig Gift- und Schadstoffe in geringen Dosen aufnehmen. Allerdings ist das nichts was irgendwie „ausgeleitet“ werden müsste. Wir verfügen nämlich über einige super körpereigene Entgifter. Dazu gehören unsere Leber, Nieren, der Darm, die Lungen und die Haut.
Es gibt natürlich auch Ablagerungen in den Blutgefäßen. Hier sprechen wir jedoch von Arteriosklerose. Diese lassen sich nicht mit irgendwelchen Produkten entfernen.
Unsere Leber ist bei der Entgiftung sogar das wichtigste Organ. Es baut Schadstoffe um. Diese werden dann entweder über die Nieren in Form von Urin ausgeschieden oder über den Darm als Stuhl. Außerdem ist unser Körper auch in der Lage, einige Stoffe über die Atmung und Schweiß abzusondern.
Das alles schafft unser Körper ganz alleine und ohne die Hilfe von irgendwelchen trendigen Nahrungsergänzungsmitteln.
Selbst wenn wir über einen langen Zeitraum einer Situation ausgesetzt sind, die dafür sorgt, dass wir Schwermetalle oder andere Giftstoffe in unserem Fettgewebe einlagern, wie z.B. bei der täglichen Arbeit mit Pestiziden, ist es nicht wissenschaftlich Belegt, dass hier eine Detox-Kur hilft, diese Stoffe abzubauen.
Welche Detox-Arten gibt es?
Kurz, viel zu viele, um hier alle aufzuzählen. Aber ein paar möchte ich dir dennoch gerne vorstellen.
- Aktivkohle: Aktivkohle ist Pflanzenkohle und wird in der Industrie als Farbstoff eingesetzt. Auch bei Durchfallerkrankungen kann sie zum Einsatzkommen, da sie diverse Stoffe bindet. Und da haben wir auch gleich das Problem. Diverse Stoffe bedeutet nämlich nicht, dass sie zwischen Schadstoffen und Nährstoffen sowie Vitaminen unterscheiden kann. Aktivkohle bindet einfach alles was ihr über den Weg läuft und wird dann so ausgeschieden. Das kann auf längere Sicht zu einem Nährstoffdefizit führen.
- Zeolithpulver: Zeolithe oder auch Vulkanmineralien, sind diverse silicathaltige Mineralien, z.B. Klinoptilolith, welche auch synthetisch hergestellt werden können. Zeolith wirkt ähnlich wie Aktivkohle und bindet diverse Substanzen, allerdings nur im Darm. Wie auch Aktivkohle ist Zeolith nicht in der Lage zwischen „guten“ und „bösen“ Stoffen zu unterscheiden. Je nach Hersteller werden bei Zeolithpulver echt unglaubliche Versprechen gegeben. Es soll Schwermetalle ausleiten, Viren unschädlich machen, Pestizidrückstände aus dem Körper entfernen, den Verdauungsapparat entlasten, Leistungssteigernd wirken, vor Elektrosmog schützen, den Alterungsprozess verlangsamen und Chemotherapien unterstützen. Für all diese Behauptungen gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Was Zeolith aber tatsächlich kann ist, im Katzenstreu Gerüche binden, im Geschirrspüler als Ionenaustauscher dienen oder im Straßenbau Verwendung finden. Für diese Verwendungen liegt der Kilopreis für Zeolith bei 0,80 €. Als „medizinisches“ Produkt in Kapselform wird es bei einem Kilopreis ab 130 € teuer verkauft. Damit ist Zeolith als Nahrungsergänzungsmittel nur für einen gut. Nämlich den Hersteller, der sich ordentlich die Taschen füllt.
- Saftkuren: Saftkuren oder Saftfasten, soll die Autophagie der Zellen anregen. Also die Körpereigene Müllabfuhr.

Was ist Autophagie?
In unseren Zellen sammeln sich, unter anderem Abfallstoffe, durch natürliche Stoffwechselprozesse. Um so mehr Nährstoffe wir unseren Zellen zuführen (durch Essen), desto mehr sammelt sich in unseren Zellen an. Wenn den Zellen aber nun keine Nährstoffe mehr zugeführt werden, dann beginnen sie mit der Autophagie, der Selbstverzehrung. Die Abfallstoffe werden dann von Verdauungsenzymen in Stoffe aufgespalten, die von den Zellen wieder genutzt werden kann. In der Theorie wird also ein Recyclingprozess in gang gesetzt, allerdings braucht es dafür keine „speziellen“ Säfte.
Saft als Unterstützung der Autophagie
Beim Saftfasten werden verschiedene Säfte empfohlen, die beim entgiften helfen und den Stoffwechsel ankurbeln sollen. Die meisten Säfte bestehen aus einer Gemüsebasis und enthalten zusätzlich noch Früchte. Wie schon im letzten Beitrag erwähnt, sind Säfte bzw. die Fruktose im Saft ein echter Antreiber für die nichtalkoholische Fettleber.
Dazu kommt auch noch, dass diese Säfte gar nicht so speziell sind, sondern ganz normal. Wie bei allen handelsüblichen Säften wurde auch hier Obst und Gemüse ausgepresst und in Flaschen gefüllt. Das einzige, was diese Detox-Säfte von herkömmlichen Säften unterscheidet, ist der Preis. 12 € pro Liter sind gar nicht so ungewöhnlich.
Ein weiter Punkt ist, dass vor dem Saftfasten meistens noch eine Darmreinigung empfohlen wird. Da wird der Darm, entweder durch eine Spülung (Einlauf) oder durch Mittel die Durchfall auslösen, entleert. Das Problem hierbei ist, dass dadurch nicht nur Stuhl ausgespült wird, sondern auch erhebliche Teile des Darmmikrobiom. Das sind die ganzen tollen kleinen Bakterien, die in unserem Darm leben und uns bei der Verdauung helfen. Sie sind auch mitverantwortlich für ein starkes Immunsystem. Und ist das Immunsystem nicht genau das, was beim Detoxing gestärkt werde soll? Wieso sollten wir uns dann unsere Immunsupporter ausspülen? Eine der verheerendest Folgen die das haben kann, ist dass sich danach im Darm die falsche Bakterien ansiedeln. Diese vermehren sich schneller und wir haben dann wirklich mit Erkrankungen zu kämpfen.
Detox kann gefährlich sein
Während meiner Recherche stieß ich auf Anthony William, der erzählt, dass ihm im Alter von vier Jahren ein Geist begegnet sei. Dieser Geist habe ihn zu einem medizinischen Medium gemacht. Er kann angeblich Erkrankungen erspüren. Sein liebstes Heilmittel ist Selleriesaft. Er gibt zu, selbst keine medizinische Ausbilung zu haben, stellt trotzdem Diagnosen und behandelt Menschen. Diese kommen mit wirklich ernsthaften Erkrankungen. Sie haben Leiden wie Multiple Sklerose und Krebs. Sie kommen zu ihm, weil sie sich an jeden Strohhalm klammern den sie kriegen können. Er empfiehlt ihnen zu fasten und Selleriesaft zu trinken.
Dieses Beispiel zeigt einfach auch, wie abgebrüht die Industrie ist, die hinter diesen ganzen Detox-Trend steht.
Mittlerweile ist es in Deutschland sogar verboten mit dem Begriff Detox zu werben. Lebensmittelhersteller*innen dürfen diesen Begriff nicht mehr auf ihre Produkte drucken. Es verspricht Heilung, welche nicht eingehalten werden kann. Dies führt die Verbraucher*innen in die Irre. Was sie aber dürfen ist andere Begriffe wie z.B. D-Tox, Antitox, minus Tox oder freetox zu werben.
Warum fühlen sich viele Menschen beim Fasten aber so gut?
Der Grund, warum sich viele Menschen während des Fastens so gut fühlen liegt nicht daran, dass Giftstoffe den Körper verlassen. Das hat psychologische Gründen. Es ist nämlich so, wenn wir auf Dinge freiwillig verzichten und das auch durchziehen, bekommen wir ein Gefühl der Kontrolle. Wir erleben Selbstwirksamkeit, dadurch ein gesteigertes Wohlbefinden und evtl. eine Gewichtsreduktion, was dann sogar eine Veränderung sichtbar werden lässt.
Des Weiteren wird bei Nahrungsentzug das Glückshormon Serotonin vermehrt ausgeschüttet. In den ersten Tagen kommt noch Adrenalin dazu. Dadurch fühlen wir uns wacher.

Was ist aber wenn der Körper übersäuert?
Übersäuerung ist auch so ein Begriff, der sich von der Detox-Industrie zu eigen gemacht wurde, um Profite einzustreichen.
Der menschliche Organismus hat einen ziemlich konstanten pH-Wert von 7,5. Sollte der Körper tatsächlich übersäuern, wie es in schweren Fällen von Nierenversagen passieren kann, ist man ein Fall fürs Krankenhaus. Eine Detox-Kur ist hier absolut nicht geeignet. Der Begriff der Übersäuerung, wie er im Falle der Detox-Industrie genutzt wird, ist absolut irreführend und falsch!
Es gibt natürlich Lebensmittel, die dazu führen können, dass der Säurepegel kurzfristig ansteigt. Das wird aber doch recht schnell über die Nieren und Atmung wieder abgebaut.
Sodbrennen, was einige Menschen kennen, wenn sie sich zu fettig ernährt haben, hat ebenfalls nichts mit Übersäuerung zu tun. In diesem Fall steigt die Produktion der Magensäure. Es ist damit ein lokales Problem. Es betrifft nicht den gesamten Organismus. Sodbrennen, kann man auch relativ schnell, durch bestimmte Medikamente und einer ausgewogenen Ernährung, in den Griff bekommen. Es sind also auch hier keine Säfte oder Nahrungsergänzungsmittel notwendig.
Fazit:
Die Versprechen die uns die Detox-Industrie gibt, sind allesamt nicht evidenzbasiert. Sie zählen eher zu den Wellness-Produkten, wenn man mal ganz großzügig ist. Die Hersteller*innen sind auch die einzigen, die einen wirklichen Vorteil vom Verkauf ihrer Produkte haben. Denn wir sprechen hier von einem Millionenmarkt.
In der evidenzbasierten Medizin heißt Detox übrigens Dialyse. Und das ist echt nichts, was man sich freiwillig antun möchte, wenn man gesunde und funktionierende Nieren hat.
Wenn du dir wirklich etwas Gutes tun möchtest, dann gönne dir eine ausgewogene leichte Ernährung. Iss viel Obst und noch mehr Gemüse. Vermeide möglichst fettiges und schweres Essen. Wichtig ist auch gut zu kauen und langsam zu essen, das verhindert ebenfalls gemeines Sodbrennen.
Wenn du aber doch mal eine Saftkur ausprobieren willst, würde ich dir empfehlen, deine Säfte selbst zu pressen. Das schont nicht nur deinen Geldbeutel, sondern du weißt auch ganz genau was drin ist. Du solltest dieses Vorhaben allerdings vorher mit deinem/deiner Ärzt*in abklären. Und bitte bitte, lass deinen Darm in Ruhe. Dir ist nicht geholfen, wenn du dir dein tolles Mikrobiom zerstörst, weil du dir selbst Durchfall herbeiführst.
Quellen
https://www.gesundheitsinformation.de/wie-funktionieren-die-nieren.html
https://www.gesundheitsinformation.de/wie-funktioniert-der-darm.html
https://www.gesundheitsinformation.de/wie-funktioniert-die-leber.html
https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/gut-essen-und-trinken/dge-empfehlungen/
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/jhn.12286
https://www.quarks.de/gesundheit/ernaehrung/warum-detox-ein-mythos-ist
https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Koerper-entgiften-Was-bringen-Detox-Produkte,detox142.html
https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/gesundheit-warum-detox-produkte-quatsch-sind-1.5515013
https://medizin-transparent.at/detox-der-mythos-vom-entgiften/
https://www.chemie.de/lexikon/Schlacke.html
https://www.mdr.de/wissen/medizin-gesundheit/mikrobiom-darmbakterien-neue-heilungsmethoden-100.html
http://schlank-mit-darm.de/darmreinigung-schaedigt-die-darmflora-nachhaltig/
https://www.zdf.de/show/mai-think-x-die-show/maithink-x—die-show-144.html

